Die 8 Bausteine einer Website, die sowohl von Google als auch von KI gefunden wird
Was eine Website braucht, um in der KI-Suche aufzutauchen, ist kein Geheimwissen. Es sind größtenteils Dinge, die auch für eine gute Platzierung bei Google sorgen – nur konsequenter umgesetzt. Im Folgenden die sieben Bausteine, die den Unterschied machen.
1. Fragen Ihrer Kunden beantworten, nicht Ihre Leistungen auflisten
Das ist der wichtigste Punkt und gleichzeitig der, an dem fast jede Website scheitert, die ich analysiere.
Ihre potenziellen Kunden suchen nicht nach „Kanzlei für Arbeitsrecht in Wetzlar“. Sie fragen: „Was kann ich tun, wenn mir unrechtmäßig gekündigt wurde?“ Sie googeln nicht „Physiotherapie Marburg“, sondern „Hilft Physiotherapie bei Bandscheibenvorfall?“
KI-Suchmaschinen funktionieren genau nach diesem Prinzip: Sie suchen im Internet nach der besten Antwort auf eine konkrete Frage. Ihre Website wird nur dann als Quelle herangezogen, wenn sie diese Antwort klar und verständlich liefert.
Was ich in meinen Audits sehe: Die überwiegende Mehrheit der Websites beginnt Leistungsseiten mit Sätzen wie „Wir sind Ihr kompetenter Partner für…“ oder „Als erfahrenes Unternehmen bieten wir…“. Diese Formulierungen sind für KI-Systeme wertlos – sie enthalten keine Information, die als Antwort auf eine Nutzerfrage dienen könnte.
Was stattdessen funktioniert: Jede Leistungsseite beginnt mit der Frage, die Ihr Kunde tatsächlich stellt. Die Antwort steht in den ersten zwei bis drei Sätzen – direkt, konkret, ohne Umschweife. Denn KI-Systeme zitieren bevorzugt den Anfang eines Absatzes, nicht den sechsten Satz nach drei Einleitungsfloskeln.
Ein konkretes Vorher/Nachher:
„Die Physiotherapiepraxis Müller in Gießen bietet Ihnen ein breites Spektrum an physiotherapeutischen Leistungen. Unser erfahrenes Team begleitet Sie auf dem Weg zur Gesundheit."
„Physiotherapie hilft bei Bandscheibenvorfällen – besonders in Kombination aus manueller Therapie und gezieltem Aufbautraining. In unserer Praxis in Gießen behandeln wir Patienten mit Bandscheibenproblemen seit über 15 Jahren, in der Regel ohne Operation."
Der zweite Text beantwortet eine Frage. Der erste stellt nur das Unternehmen vor. Für eine KI – und ehrlich gesagt auch für jeden Menschen – ist der Unterschied sofort spürbar.
Gleichzeitig hilft Ihnen das bei Google: Seiten, die eine klare Frage beantworten, haben bessere Chancen auf ein Featured Snippet, diese hervorgehobene Antwortbox ganz oben in den Suchergebnissen.
2. Strukturierte Daten – die unsichtbare Beschriftung Ihrer Website
Stellen Sie sich vor, Sie schicken jemandem einen Aktenordner voller loser Blätter. Die Informationen sind alle da, aber es dauert ewig, das Richtige zu finden. Strukturierte Daten sind das Inhaltsverzeichnis und die Trennblätter für diesen Ordner. Sie helfen Suchmaschinen und KI-Systemen, Ihre Inhalte schneller zu erfassen und richtig einzuordnen.
Konkret handelt es sich um einen unsichtbaren Code im Hintergrund Ihrer Website, der Suchmaschinen sagt:
- „Hier steht eine häufig gestellte Frage mit Antwort“,
- „Das ist ein lokales Unternehmen mit diesen Leistungen“ oder
- „Dieser Artikel wurde von einer Person mit dieser Expertise geschrieben.“
Für Sie als Praxisinhaber, Anwalt oder Steuerberater ist dabei vor allem relevant: Wenn Ihre Website diese Beschriftungen hat, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Google Ihre Inhalte prominent anzeigt – z. B. als FAQ-Ergebnis in der Suche. Und KI-Systeme können Ihre Leistungen, Ihren Standort und Ihre Expertise präziser zuordnen.
Die Einrichtung ist einmalig und wird von einem Webdesigner oder Webentwickler übernommen. Wichtig ist nur, dass Sie wissen: Es gibt sie, und Ihre Website sollte sie haben.
Was meine Audits zeigen: Bei 8 von 10 geprüften Websites ist kein einziges Schema-Markup implementiert – nicht für das Unternehmen, nicht für Leistungen, nicht für FAQs. Das bedeutet: KI-Systeme müssen raten, was die Website anbietet, wo sie sich befindet und wer dahintersteckt. Manchmal raten sie richtig. Oft nicht. Und im Zweifel empfehlen sie die Website eines Mitbewerbers, der diese unsichtbare Beschriftung hat.
Die gute Nachricht: Schema-Markup ist eine Einmalarbeit. Wer es hat, hat einen dauerhaften Vorteil gegenüber allen, die es noch nicht haben.
3. Klare Sprache statt Marketing-Floskeln
KI-Systeme können Ihre Texte lesen und den Inhalt verstehen. Was sie nicht können: aus vagen Formulierungen erraten, was Sie eigentlich meinen.
„Wir bieten maßgeschneiderte Lösungen für Ihren individuellen Bedarf“. Das klingt professionell, sagt aber nichts aus. Kein KI-System wird diesen Satz zitieren, weil er keine konkrete Information enthält. Und ehrlich gesagt: Kein potenzieller Kunde wird davon überzeugt, weil er dasselbe auf hundert anderen Websites liest.
Was funktioniert, sind klare Aussagen mit konkretem Inhalt:
- Statt „Wir bieten umfassende steuerliche Beratung“ besser: „Wir erstellen Ihre Einkommensteuererklärung, beraten bei der Gründung und übernehmen Ihre laufende Finanzbuchhaltung – für Selbstständige und kleine Unternehmen in Mittelhessen.“
- Statt „Profitieren Sie von unserer langjährigen Erfahrung“ besser: „Seit 15 Jahren behandeln wir Patienten mit chronischen Rückenbeschwerden, mit einer Kombination aus manueller Therapie und gezieltem Aufbautraining.“
Solche Sätze werden zitiert. Von KI-Systemen, weil sie eine klare, überprüfbare Aussage enthalten. Und von Google, weil sie genau das liefern, was Nutzer suchen: eine direkte Antwort.
Der positive Nebeneffekt: Texte, die für Suchmaschinen und KI gut funktionieren, funktionieren auch für Menschen besser. Klarheit überzeugt.
4. llms.txt – Eine kleine Datei mit großem Potenzial
Dieser Punkt ist etwas technischer, aber im Kern schnell erklärt: Es gibt eine neue Möglichkeit, KI-Systemen eine Art Inhaltsverzeichnis Ihrer Website zur Verfügung zu stellen. Diese Datei heißt llms.txt und funktioniert ähnlich wie die bekannte Sitemap, die Suchmaschinen den Aufbau einer Website zeigt – nur eben speziell für KI-Sprachmodelle wie ChatGPT oder Claude.
Die Idee dahinter: KI-Systeme müssen sich beim Durchsuchen einer Website durch Navigation, Werbung, Cookie-Banner und Code kämpfen, um an die eigentlichen Inhalte zu kommen. Eine llms.txt-Datei sagt ihnen direkt: „Das sind die wichtigsten Seiten, das bieten wir an, dafür sind wir Experten.“
Was Sie davon haben: Ihre wichtigsten Inhalte werden von KI-Systemen schneller gefunden und korrekt eingeordnet. Die Wahrscheinlichkeit steigt, dass Ihre Website in KI-generierten Antworten als Quelle erscheint.
Ob sich llms.txt als Standard durchsetzt, kann heute noch niemand mit Sicherheit sagen. Die großen KI-Anbieter wie OpenAI und Anthropic nutzen die Datei bereits beim Crawlen von Websites. Der Aufwand für die Einrichtung ist gering – bei WordPress lässt sich das in einer halben Stunde erledigen.
Meine Empfehlung: Machen. Es kostet fast nichts und verschafft Ihnen einen Vorsprung.
5. Ein solides technisches Fundament
Die besten Inhalte nutzen wenig, wenn Ihre Website drei Sekunden zum Laden braucht oder auf dem Smartphone schlecht bedienbar ist. Das gilt für Google schon lange und für KI-Suchmaschinen genauso.
Die gute Nachricht: Wenn Ihre Website technisch ordentlich gebaut ist, sind die wichtigsten Voraussetzungen bereits erfüllt. Schnelle Ladezeiten, eine gute Darstellung auf Mobilgeräten und ein sauberer Aufbau im Hintergrund – das sind die Grundlagen, die sowohl Suchmaschinen als auch KI-Systemen das Lesen Ihrer Inhalte erleichtern.
Ein Punkt wird dabei oft übersehen: Ihre Website muss für KI-Crawler überhaupt zugänglich sein. Einige Websites blockieren versehentlich die Bots von ChatGPT, Google AI oder Perplexity. Das ist, als würden Sie einem Redakteur den Zutritt zu Ihrer Praxis verweigern und sich dann wundern, warum kein Artikel über Sie erscheint.
Ob Ihre Website technisch gut aufgestellt ist, lässt sich schnell prüfen. Das gehört zu den Dingen, die Ihr Webdesigner im Rahmen eines Relaunches oder einer Optimierung ohnehin prüfen sollte.
6. Tiefe statt Breite – lieber fünf gute Seiten als fünfzig dünne
Es gibt einen verbreiteten Irrtum im Online-Marketing: Viel Content hilft viel. Jede Woche ein Blogbeitrag, 300 Wörter über „5 Tipps für Ihre Gesundheit“ oder „Warum Sie einen Anwalt brauchen“ und irgendwann rankt die Seite. In der Praxis funktioniert das immer seltener, weder bei Google noch bei KI-Suchmaschinen.
Was stattdessen funktioniert, sind wenige, aber wirklich gute Seiten zu Ihren Kernthemen. Eine Arztpraxis, die eine umfassende Seite über Rückenschmerzen hat – mit Ursachen, Behandlungsmethoden, Ablauf der Therapie und ehrlichen Antworten auf typische Patientenfragen – wird von KI-Systemen als Autorität wahrgenommen. Zwanzig kurze Blogbeiträge über verschiedene Wehwehchen dagegen nicht.
Das Prinzip dahinter ist einfach: Google und KI-Systeme bewerten, wie umfassend und kompetent eine Website ein Thema behandelt. Wer in die Tiefe geht, signalisiert Expertise. Wer an der Oberfläche kratzt, signalisiert Beliebigkeit.
Für Sie bedeutet das: Konzentrieren Sie sich auf die drei bis fünf Themen, mit denen Sie sich wirklich auskennen. Dafür bauen Sie jeweils eine richtig gute Seite und die wird Ihnen mehr bringen als ein Blog, der alle zwei Wochen ein bisschen was zu allem sagt.
6. E-E-A-T – warum KI wissen will, wer hinter den Inhalten steckt
Google hat das Konzept E-E-A-T eingeführt: Experience, Expertise, Authoritativeness, Trustworthiness – auf Deutsch: Erfahrung, Expertise, Autorität, Vertrauenswürdigkeit. KI-Systeme orientieren sich an denselben Signalen, wenn sie entscheiden, welche Quellen sie zitieren.
Was das konkret bedeutet: Eine anonyme Website, die gute Inhalte hat, wird schlechter bewertet als eine Website, hinter der erkennbar eine Person mit nachweisbarer Expertise steht.
Für Sie bedeutet das:
Ihre „Über mich“- oder „Team“-Seite ist keine Nebensache. Sie ist ein Vertrauenssignal. Dort sollte stehen, wer Sie sind, wie lange Sie das schon machen, welche Qualifikationen Sie haben und zwar so formuliert, dass eine KI diese Information direkt auslesen kann.
Konkret hilft es, wenn z. B. auf Ihrer Website steht: „Dr. Müller behandelt seit 18 Jahren Patienten mit Rückenproblemen und hat an der Universität Gießen studiert“ und nicht nur ein Name und ein Foto. Je mehr überprüfbare, konkrete Angaben, desto höher das Vertrauen – für KI und für Ihre zukünftigen Kunden gleichermaßen.
Autor-Tags im Quellcode, vollständige Impressumsangaben und eine klare Verlinkung zwischen Person und Inhalt sind technische Bausteine, die dieses Signal verstärken.
8. Sichtbarkeit aufbauen – auch außerhalb Ihrer Website
Ob Google oder KI-Suchmaschine: Beide versuchen einzuschätzen, wie vertrauenswürdig und relevant Sie sind. Und dafür schauen sie nicht nur auf Ihre Website, sondern auch darauf, wo Sie sonst im Internet erwähnt werden.
Für ein lokales Unternehmen heißt das konkret: Ihr Google Unternehmensprofil sollte vollständig und aktuell sein – mit korrekten Öffnungszeiten, einer Beschreibung Ihrer Leistungen und idealerweise Bewertungen, die konkret beschreiben, was Kunden an Ihrer Arbeit schätzen.
Darüber hinaus helfen
- Einträge in Branchenverzeichnissen,
- Erwähnungen in lokalen Medien oder Fachportalen und – falls vorhanden –
- Gastbeiträge in relevanten Zusammenhängen.
Es geht dabei nicht um Masse, sondern um Relevanz. Ein Eintrag im Ärzteverzeichnis oder eine Erwähnung in der lokalen Presse hat mehr Gewicht als hundert Einträge in wahllos zusammengestellten Firmenregistern.
Das Ziel: Wenn eine KI nach Ihrem Fachgebiet und Ihrem Standort sucht, findet sie nicht nur Ihre Website, sondern auch Bestätigungen aus anderen Quellen. Das stärkt Ihre Glaubwürdigkeit und erhöht die Chance, empfohlen zu werden.